Der Saxophonist und umtriebige Betreiber der Internetseite www.saxophonistisches.de hat das Brancher Altsaxophon aus Goldmessing (AG 85) unter die Lupe genommen. Hier nun ein Auszug aus seinem Text:
Brancher setzt auf Luxus. Das sieht man schon am Zubehör. Alle Extras der besten Güte. Ein GL-Koffer (mit das teuerste was man kaufen kann), ein original Brancher-Mundstück mit der Metallblattschraube, Zwei Packungen Brancher-Blätter, ein Brancher Halsgurt sowie ein zweiter S-Bogen. So eine hochklassige (und teure) Ausstattung gibt es sonst (meines Wissenes) bei keinem anderen Hersteller. Daher werfe ich auf das Zubehör hier mal einen genaueren Blick.
Beim GL-Koffer handelt es sich um eine Tracking-Case. Also so ein robuster Rucksackkoffer, mit dem man auch in die Wildnis abtauchen könnte. Allerdings stelle ich mal in Frage, ob die Brancherkäuferschicht regelmäßig mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Proben fahren. Persönlich finde ich, dass ein eleganter Koffer (mit Lederüberzug) besser zum Brancher passen würde.
Der Halsgurt ist ein Highlight. Bequem, hochwertig gefertigt (Leder) und optisch elegantes Understatement. Hätte ich nicht schon zwei deJaques würde ich mir den Kaufen, denn seien wir doch mal ehrlich. Die meisten Gurte sind mit ihren Plastekarabinern verdammt häßlich. Die neoprenartige Polsterung ist wohl haptisch eine Geschmackssache, aber der Gurt passt ja noch unter den Hemdkragen.
Branchermundstücke genießen zu recht einen guten Ruf. Das Alto ist aus Ebonit, hat eine mittelgroße Bahnöffnung und Kammer und eine Bulletstufe. Der Klang ist übers Register recht ausgeglichen. Man hat einen sehr straighten, hellen, durchsetzungsfähigen und modernen Sound. Wer ‘nen Kuschelmeyer sucht, ist hier falsch. Wer auf Metallmundstücke steht, diese aber zu anstrengend findet, könnte hiermit glücklich werden. Die filigrane Blattschraube ist ein Schmuckstück. Im wahrsten Sinne des Wortes, da sie in Cartier-Werkstätten gefertigt werden. Die Ansprache ist ist fix und leicht, der Klang resonant und eher hell.
Die beiden S-Bögen sind optisch nicht zu Unterscheiden. Fast nicht. Über der Hülse hat der eine eine Rille und der andere zwei. Von der Mensur, Material, Finish und Bauteilen gibt es keine Unterschiede. Nur in der Art der Verarbeitung soll es einen Unterschied geben. Was der nun ist, wird nicht verraten. Top Secret. Wie der ganze Kram nun klingt und zusammen harmoniert, kommt natürlich erst am Ende des Artikels. Nun aber zum Saxophon selber.
Das Alto ist so schwer wie so manches Tenor. Das liegt vor allem am merklich dickeren Blech (selbstverständlich handgeklöppelt). Die Mechanik, sowie die Resonatoren dürften auch noch etwas dazu beitragen. Diese sind der eigentliche Clou bei den Branchersaxophon. Diese sind deutlich größer (so, dass sie gerade noch ins Tonloch passen) und haben eine spitze kegelförmige Erhebung. Schön ist, dass man die Resonatoren (wie früher) wieder verwenden kann bei einer GÜ. Denn diese Resonatoren sind ein deutlicher Kostenpunkt bei dem Sax, da die aufwendig aus Messingblöcken in Frankreich ausgefräst werden müssen. Durch die Resonatoren, soll das Sax besser schwingen und abstrahlen. Es sei darauf hingewiesen, dass Aufgrund der großen Resonatoren, die Klappenaufgänge auch etwas größer ausfallen.
Um es vorweg zu nehmen, die Mechanik hat mich nicht wirklich überzeugt, allerdings ist das hier Meckern auf hohem Niveau. Über die Verarbeitung kann man nichts sagen. Die ist tadellos, nix wackelt und die Polster sitzen sauber. Die übergroßen Resonatoren verkomplizieren das Einsetzen erheblich. Was mich eher gestört hat, ist das Mechanikdesign an sich. Es handelt sich hier um eine Taiwanesen Mechanik mitsamt der üblichen Fehler und Unsinnigkeiten. Um Kosten zu sparen ist ein Großteil der Produktion nach Taiwan ausgelagert worden, wo es inzwischen ja ein paar recht gute Leute gibt, die deutlich weniger kosten, als eine europäische Fachkraft.
Wie läßt sich das Sax spielen und wie klingt es? Beim ersten Anspielen waren alle Zweifel über die Mechanik vergessen. Da geht die Lutzie, Hulle und Schmidt’s Katze ab, oder so ähnlich. Eine super direkte und leichte Ansprache von tief Bb bis hoch ins Flageolett und ein sehr geringer Blaswiderstand. Wer Yamaha mag, könnte Brancher lieben. Wer den Widerstand beim Spielen mag/braucht könnte es zu leicht gängig sein.
Intonatorisch gibt es keine Ausreißer. Merkwürdig war nur, dass ich für 440Hz schon das Mundstück sehr weit drauf stecken mußte. Fast bis zum Anschlag. 444Hz hätte ich so nicht realisieren können. Das ging mir bei beiden S-Bögen so. Also, wer in der Wiener Symphonie spielt, sollte das nochmal vor dem Kauf prüfen.
Die Resonatoren scheinen das Geld wert zu sein. Neben der leichten Ansprache hat man ein geniale Projektion. Es war eine wahre Freunde damit in der BigBand LeadAlto zu spielen. Das Alto kann man wirklich zum “singen” bringen. Das Brancher hat Dampf, mit der sehr leichten Ansprache kann es fast brachial kommen und das trotz des hohen Kupferanteils, dass ja den Klang normalerweise weicher macht. Da dürfte die Messingvariante noch mal einen kleinen extra Punch haben. Daher glaube ich, dass die Goldmessingvariante eine sehr schöne Idee ist um eine ausgewogene Balance zu den neuen Resonatoren und dem massiven Korpus zu finden. Die Klangcharakteristik könnte man als französisch bezeichnen. Also wie Selmer eher zentrieter. Jedoch finde ich das Brancher etwas moderner (“poppiger”) als die Selmer. Also nicht nur mechanisch sondern auch klanglich eine Mischung aus Frankreich und Fernost.
Zusätzlich hat man durch die zwei S-Bögen noch zwei Klangcharakterstichen. Ein Unterschied ist sehr hörbar, allerdings nicht riesig. Der mit einer Rille, ist zentrierter, hat etwas mehr Charakter. Der mit zwei Rillen, ist wärmer, weicher, runder und ausgeglichener. Man könnte es vielleicht so zusammen fassen. Der erste ist der Jazz-Bogen der andere der Klassik-Bogen. Allerdings meine ich, dass man durch anderes Material, Bauweise und Finish vielleicht mehr hätte raus holen können. Außerdem kann man durch eine andere Optik auch besser damit angeben, dass man zwei S-Bögen hat.
Und ist Brancher eine neue Highclass? Jein. Sagen wir lieber, dass Brancher keine Probleme hat ganz oben bei den Topmarken mitzuspielen. Persönlich hätte ich wohl einen anderen Koffer zum Brancher ausgesucht und über die Mechanik mußte ich etwas den Kopf schütteln. Dafür Punktet das Sax, da wo es drauf ankommt. Tolle Ansprache, enorme Projektion und ein kräftiger Sound.
Den kompletten Testbericht findest Du unter http://www.saxophonistisches.de











