
Das Real Book ist seit Jahrzehnten die ultimative Stückesammlung für Jazzmusiker und enthält so gut wie alles, was man bei einer gepflegten Session braucht.
Einen Nachteil hatte das Buch jedoch bisher: Es war, ist und bleibt ausgesprochen dick, groß und leidet unter jedem Transport. Das brachte den Italiener Massimo Biolcati auf die Idee, das monumentale Werk in eine mobile, digitale Form zu bringen. Da das Urheberrecht die Notendarstellung der Themen ohne Zustimmung der Verlage verbietet (ein Problem, das das Real Book seit seiner Erstauflage verfolgt), musste sich Biolcati auf die Akkordfolgen beschränken – doch die sind ja meistens das zu übende Thema, wenn es an das Improvisieren geht. Mit der Markteinführung des iPhones ging der umtriebige Musiker an die Programmierung seiner Application, die er nun seit einiger Zeit im App-Store der Firma Apple für 7,99 Euro anbietet.
Doch was macht die Anwendung so interessant? Ganz einfach: Sämtliche Changes der Stücke des ersten Bandes werden voll transponierbar dargestellt. Will man sich also unterwegs mal in Ruhe mit Akkordfolgen von Jazzstandards auseinandersetzen, so hilft die App doch sehr. Auf der Bühne funktioniert das Ganze ebenfalls tadellos, auch wenn die Darstellung auf dem iPhone doch arg klein ist. Seit kurzem hat Biolcati ein wichtiges Feature hinzugefügt, das man aus der App heraus für kleines Geld hinzukaufen kann: Die Songs werden auf Wunsch von einer "Begleitautomatik" akustisch umgesetzt. Sprich: Das Telefon ist eure Combo und ihr spielt dazu.
Die Kaufversion von iReal Book enthält bereits den Player, allerdings ist die Palette der gebotenen Sounds stark eingeschränkt. Die Grooves können aber per "In-App-Einkauf" aufgestockt werden, so dass "Girl from Ipanema" nicht im Swing-, sondern korrekt als Bossa Nova-Groove unterlegt wird. Besonders attraktiv ist die Anwendung auf dem iPad, denn iReal Book spielt nicht nur die Akkordfolge ab, sondern zeigt auch an, welcher Akkord gerade gespielt wird – und man erkennt die Akkordsymbole auch aus größerer Entfernung. So übt es sich entspannt, ohne den Anschluss an die digitale Combo zu verlieren. Hat man die Themen halbwegs auswendig gelernt, so ersetzt das iPad schließlich auch problemlos das Real Book auf der Sessionbühne – für Pianisten oder Bassisten sowieso ein geniales Angebot, aber auch für Saxophonisten faszinierend, da mobil, leicht und immer akustisch nachvollziehbar. 500 Stücke hat man immer dabei, vorausgesetzt, man besitzt ein iPhone oder iPad.
Weitere Informationen unter www.irealbook.net











