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Ulrich Krieger "Janus"
erschienen in der ARDESA-Ausgabe vom |
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Janus ist ein kurzes fünfminütiges Stück für Saxophonensemble. Es finden sich darin Einflüsse aus der amerikanischen Minimal Music, mittelalterlichen Organa, und aus moderner Elektronik. Die ersten Takte entsprechen zum Beispiel der Intonation bei den Organa. Die Komposition fängt sehr sparsam an und die sich langsam steigernde, verdichtende Form des Stückes ist der elektronischen Delay-Technik entlehnt. Da es sich aber um acht separate Instrumente handelt, konnte ich hier den sonst mechanisch akkumulativen Prozeß des Delays vermeiden und verfeinern und sozusagen die Wiederholungen jedesmal verändern (Tondauer, Tonhöhe, Tonfarbe). So gibt es zum Beispiel verschiedene Vibratoabstufungen von non vibrato über poco vibrato, vibrato ordinario, vibrato molto bis hin zum vibrato iregulare. Ausgenommen davon sind die beiden Baritone, die so etwas wie einen Bordun, bzw. Cantus Firmus spielen und somit das Fundament legen. Zuerst spielen immer nur 1 oder 2 Instrumente, das steigert sich dann, bis alle 8 Saxophone gleichermaßen beteiligt sind und die beiden Sopransaxophone das Material, das vorher eher mit langen Tönen klanglich genutzt wurde, nun melodisch in einen sehr dichten Kontrapunkt spielen. Nachdem der Höhepunkt erreicht ist, bricht es ab, um sich dann viel schneller und mit einem etwas anderem Material zum Schluß hin nochmals aufzubauen. Harmonisch basiert es auf der Obertonreihe über C vom 1. bis zum 8. Oberton. Es gibt allerdings auch harmonische" Rückungen, d.h. der Grundton wird nach unten oder oben verschoben. Es ergeben sich zwei Aufführungsmöglichkeiten: 1. in einer temperierten Stimmung 2. in einer reinen Stimmung, d.h.: die Intervalle werden genau nach ihrem natürlichen Vorkommen in der Obertonreihe intoniert (z.B. der 5. Oberton, das E, wird 14 Cent tiefer intoniert als die temperierte Terz, der 7. Oberton, das B, wird 31 Cent tiefer intoniert als die temperierte kleine Septime, etc.) Obwohl ich die zweite, rein intonierte Variante vorziehe, ist auch die temperierte Version durchaus akzeptabel, da die Obertonstruktur auch hierbei hörbar bleibt. Es geht hierbei weniger um ein Stück für acht Solisten, sondern es wird sozusagen ein riesiges Saxophon aufgebaut, in dem alle Spieler (mehr oder weniger) zu einem Klang verschmelzen. Ulrich Krieger wurde 1962 in Freiburg/Brsg. geboren. Er studierte Saxophon und Komposition an der HdK Berlin und der Manhattan School of Music. Außer mit improvisierter und notierter Musik für Saxophon ist Ulrich Krieger häufig mit dem Didjeridoo, dem Blasinstrument der australischen Aboriginees zu hören. Ulrich Krieger, Turmstraße 47, 10551 Berlin |