John Cage "Four 5"

erschienen in der ARDESA-Ausgabe vom

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John Cage (1912-1992) “Four 5"

1986 sprach John Sampen den Komponisten John Cage an, ob er nicht an einem neuen Werk für Saxophone interessiert sei. Da Cage zu der Zeit an seiner Oper “Europera" arbeitete, dauerte es bis zum Jahr 1991, bis Cage zustimmte, ein Stück für Sampen und seine Studenten zu schreiben. Im Dezember '91 war das Werk abgeschlossen und es wurde im September '92 anläßlich des Saxophon Weltkongresses in Pesaro, Italien, von Sampen und dem BGSU American Saxophone Ensemble uraufgeführt (BGSU steht für Bowling Green State University).

In seinem Kompositionsauftrag machte Sampen folgende Vorgaben:

1) ein 8-12minütiges Stück

2) Mindestinstrumentation für SATB Saxophonquartett, das zu einem großen Saxophonensemble ausgebaut werden kann

3) ein möglicher Saxophon-Solist

4) wenigstens einige Tonhöhennotationen

5) möglicher Gebrauch szenischer Elemente, des Raums und des Zufalls

Das entstandene Werk ist zwölf Minuten lang und besteht aus ca. 15 Tonhöhen (jede auf einer einzelnen Zeile) für jedes Instrument. Cage gab die folgenden Vorgaben:

“Einzelne Töne in flexiblen Zeiteinheiten für vier Saxophon oder vielfache davon. Die Tonhöhen klingen nicht wie notiert. Die Intonation sollte die ihre (seine) eigene jedes Spielers sein. Ein Unisono wird ein Unisono der Differenzen sein. Klänge können kurz oder lang sein. Wenn sie lang sind, sollte die Dynamik leise sein. Sehr kurze Klänge sind frei, laut zu sein, sogar sfz, wenn es gewünscht wird oder ppp."

Cage schrieb Dr. Sampen aber auch, daß das Unisonso der Differenzen zufällig und nicht absichtlich entstehen soll.

Für jeden Musiker gibt es nur einen Anstoß pro Ton.

Wenn ein Ensemble sich zur Aufführung von Four 5 entschließt, sollten die Proben eine Auseinandersetzung mit Cages Musikphilosophie beinhalten. Gerade wenn das Stück in einer großen Besetzung gespielt wird, können Möglichkeiten einer räumlichen Inszenierung erprobt werden. Obwohl jeder Spieler mit einer Stoppuhr spielt, müssen alle den Gesamtklang intensiv mitverfolgen und mit großer Eigenverantwortung mitgestalten. (Johannes Ernst)