![]() |
Jean Rivier
eine Biographie erschienen in der ARDESA-Ausgabe vom |
| home | Jean Rivier
eine Biographie In Villemomble ( Seine-St-Denis) wurde Jean Rivier am 21.7.1896 geboren. In Südfrankreich starb er am 5.11.1987. Während des ersten Weltkriegs wurde er durch Giftgas verletzt. Nach einem Studium der Philosophie macht er eine Musikausbildung am Pariser Konservatorium, wo er von Jean GALLON (Harmonielehre), Georges CAUSSADE (Fuge und Kontrapunkt) und Maurice EMMANUEL (Musikgeschichte ) unterrichtet wurde. Er studiert auch Klavier bei M. BRAUD und Cello bei Paul BAZELAIRE, ein Instrument, für das er bald eine Rapsodie mit Orchester schreibt und das ihn auf den Geschmack für Kammermusik bringt. (4 Quartette und Streichentrios, sowie viele Werke für verschiedene Instrumente und das "Grave et Presto" für 4 Saxophone).Zwischen 1936. und 1940 ist Jean Rivier aktives Mitglied der " Groupe du Triton" mit Pierre-Octave FERROUD und Henry BARRAUD. 1947 lehrt er Komposition am Pariser Konservatorium, erst zusammen mit Darius MILHAUD, dann von 1962 bis 1966 allein. Sein Werkverzeichnis umfaßt ca. einhundert symphonische Werke, Kammermusik , Chor - und Gesangswerke, darunter 7 Symphonien (von 1932 bis 1961) und 8 Konzerte für Bratsche (1935), Violine (1942), Klavier (1953), Saxophon und Trompete (1955), Klarinette (1958), Fagott (1963), Blechbläser und Pauken (1963), Oboe (1966). Schon vor 1940 vertritt Jean Rivier eine für die Zeit recht wenig verbreitete romantische Tendenz, indem er den musikalischen Ausdruck vor jede abstrakte Formensprache stellt Dank seines Sinns für Humor (z. B. "Venitienne" oder der letzter Satz des Concertos für Saxophon ) erreicht er eine sehr überzeugende Einfachheit ... ("Heureux ceux qui sont mort). Ein Mann mit vielen Qualitäten, voller Entschlossenheit, mit einer herzlichen Sensibilität. Er bleibt eigentlich unabhängig im besten Sinn, er "bleibt den traditionellen Formen treu" (besonders in seinen Werken zwischen den Kriegen). Als Opfer von Yperite (einem Giftgas) in seiner Jugend, hatte Jean RIVIER eine schwache Gesundheit. Er hoffte in der Zeit seiner höchster Reife, "durch extreme Situationen und dauernde Todesgefahr vertiefte spirituelle Erfahrungen eine wunderbare musikalische Inkarnation zu erhalten". Erst in seinem "Requiem" vom 1953, dann in seinem "Christus Rex" vom 1967 drückt er, mit Schreibkönnen und beeinflußt von einer ausdrucksvollen Kraft seines Glaubens, der in sein irdisches Leben eingeht, das metaphysische Dasein des Menschen aus. Bernard GAVOTY und Daniel LESUR schreiben, daß Jean RIVIER so angenehm, so bescheiden, so gastfreundlich sei, daß man nach 5 Minuten denken würde, man ist mit einem 20 jährigen Freund zusammen. Als Mensch hat Rivier genauso wenig Vorurteile wie als Musiker System. Einer wie der anderer besitzen großes Verständnis. Er ist zugleich ein perfekter Mann von Welt und ein treuer Freund. Was den Musiker betrifft, so ist er einen Architekt. Gleichzeitig dem Konventionellen und dem Sensationellen zu entfliehen, das scheint die Richtung zu sein, für die Jean RIVIER sich entschieden hat. JEAN RIVIER UND DAS SAXOPHON "Ouverture pour un Don Quichotte"(1929) Symphonisches Werk von 10 Minuten Dauer, in dem einen Alt-Saxophon vorkommt. "Eines meiner Lieblingswerke"- verrät der Komponist in seiner Biographie - weil der Einfluß des Jazz, den ich liebe, darin so spürbar ist, und auch weil es so gewalttätig ist und ich die Gewalt liebe. Marcel MULE, der bei der Uraufführung des Stückes mitwirkte, sagt, seine Erinnerungen an Jean Rivier seien sehr angenehmer Art. Er sagt dazu: "Ich denke daß er für Saxophone schrieb weil er alles was dieser Instrument auszudrücken vermag und besonders seine Eleganz und Virtuosität schätzte. Er empfand sehr viel für mich, was sicher seinem Wunsch für Saxophone zu schreiben entgegengekommen ist. "Venitienne" ist eine komische Oper in einem Akt, 1936 komponiert nach einem Buch von Rene KERDYK. Es gibt einen Alt- Saxophon in der Orchestration. Aus dem selben Jahr sind die "Musiques Nocturnes", ein Werk das für die Weltausstellung bestellt wurde. "Grave et Presto" für Saxophon-Quartett (Sopran, Alt, Tenor und Bariton) ist 1938, zur Zeit der dritten Symphonie, von "Printemps" " Les Bouffons", "Jeux et Tumultes" komponiert worden. Das Werk ist dem Quatuor Marcel MULE der die Uraufführung an der l´Ècole Normale de Musique Paris für einen Konzert der Société Nationale gespielt hat, gewidmet. Das Stück dauert 8 Minute und ist bei Billaudot verlegt. Das "Concertino" (1935) für Alt-Saxophon und Orchester (Dauer 15 Minuten, Verlag Salabert) ist eine Transkription des Konzertes für Viola und Orchester, die Marcel MULE realisierte und 1942 bei Konzerten unter Leitung von Fernand OUBRADOUS im "Salle de l´Ancien Conservatoire" spielte.
"Concerto" für Alt-Saxophon, Trompete und Streicher (geschrieben 1954, wie auch "5 Choeurs d´apres RONSARD et DU BELLAY"). Das Werk besteht aus drei Sätzen: Allegro burlesco - Adagio - Vivacissimo, Dauer 18 Minuten. Es ist Marcel MULE gewidmet und bei Pierre NOËL verlegt. 1971 spielte es Daniel DEFFAYET zusammen mit dem Trompeter Roger DELMOTTE und dem l´Orchestre Philharmonique de l´ORTF unter der Leitung von André GIRARD bei der Plattenfirma BARCLAY (Nr. 995-006) ein. Einige Jahre später machte François DANEELS eine Plattenaufnahme mit Klavier (Julien VANNETELBOSCH) bei Buffet-Crampon (BCB 102). Im selben Jahr bearbeitete René DECOUAIS das Stück für Saxophon und Blasorchester. "Aria" ein ruhiges, meditatives Stück für Trompete oder Oboe oder Saxophon (Sopran oder Alt) und Orgel (Dauer 6 Minuten) entstand 1972 und ist verlegt bei TRANSATLANTIQUES.
Literaturangaben: "Jean Rivier", Frédéric ROBERT, Edition Salabert "La Musique...", Antoine GOLEA, Edition Leduc "Dictionaire de la Musique Contemporaine", Cl. ROSTAND, Edition Larousse, 1970 "Pour ou Contre la Musique moderne?", Flammarion, 1957 Brief an Jean-Marie Londeix vom 14. November 1987
AsSaFra |