Musik für große Saxophonensembles

erschienen in der ARDESA-Ausgabe vom

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Musik für große Saxophonensembles

Schwerpunkt dieses Sax-Infos ist die Musik für große Saxophonensembles. An den Hochschulen und den Musikschulen gibt es mittlerweile eine große Zahl fähiger Spieler, die längst nicht alle im Orchester oder in den Kammermusikformationen eingesetzt werden können. Als reizvolle Alternative, mit guten Kompositionen und einem hohen Motivationsgrad der Spieler, sind die Saxophonorchester eine spannende Bereicherung des Konzertbetriebs und eine gute Stütze für den Saxophonunterricht.

Die Geschichte der großen Saxophonensembles beginnt bereits im 19. Jahrhundert. Aus Adolphe Sax' Verlagsprogramm wissen wir von einem Octuor, das Jean-Nicolas Savari (1786-1853) komponierte.Ende des Jahrhunderts schrieb der Komponist Adriet für 10 Saxophone, der damit die bis dahin größte Besetzung forderte.

Mit der Saxophonmanie entstanden in den USA der 20er Jahre zahlreiche Saxophonorchester. Die extrem populären Brown Brothers waren ein Saxophonsextett. In Chicago und anderen Städten entstanden feste Formationen mit mehr als 10 Spielern. Das größte mir bekannte Ensemble war in Lisbon, North Dakota beheimatet und beschäftigte 20 Saxophonisten und diverse Schlagzeuger. Das Repertoire all dieser Gruppen war auf populäre Musik ausgerichtet.

Bedeutend ernsthafter ging es im Berlin der 20er Jahre zu. Auf Initiative des Komponisten und Saxophonisten Gustav Bumcke wurde das Ensemblespiel gepflegt. Auf dem Photo aus dem Jahr 1931 sind immerhin 15 junge Leute versammelt, die über Instrumente vom Baß bis zum Sopraninosaxophon verfügen.

Die Idee des Saxophonorchesters wurde nach dem 2. Weltkrieg von prominenten Saxophonisten weiterverfolgt.Sigurd Rascher veranlaßte Komponisten wie Werner Wolf Glaser, Walter S. Hartley und andere, für große Besetzungen zu komponieren.

Fast eine Standardformation prägte Jean-Marie Londeix, als er 1977 die Arbeit mit dem Ensemble International de Saxophones de Bordeaux begann. Die Besetzung ist Sopranino, S, S, A, A, A, T, T, T, B, B, Baß. Hauskomponist des Ensembles ist Christian Lauba, der mit “Mutation-Couleurs IV" im Jahr 1985 eine der meistgespieltesten Kompositionen für diese Besetzung schuf.

Heute gibt es in der gesamten Welt zahlreiche Saxophonensembles. In den USA wird das Ensemblespiel an allen großen Universitäten gepflegt.

In Frankreich existieren neben der Formation in Bordeaux sehr gute Ensembles in Paris und Lyon. Das größte Ensemble ist Sax & Co mit mehr als 50 Spielern. Fester und aktiver Arrangeur (“Funky Sax" u.a.) ist Philippe Geiss.

In Deutschland gibt es feste Ensembles in Darmstadt, Nürnberg und Berlin und eine ganze Reihe von ad hoc Zusammenschlüssen.

Die Kompositionen, die in den letzen Jahren besonders in Deutschland entstanden sind, wollen wir auf den folgenden Seiten darstellen. Ein etwas größerer Raum wurde Dieter Schnebel und Witold Szalonek eingeräumt.

Gegen Ende dieser ersten und noch sehr unvollständigen Übersicht werden drei Kompositionen prominenter amerikanischer Komponisten vorgestellt. John Cage, Steve Reich und auch William Karlins haben interessante Kompositionen für großes Saxophonensemble verfaßt.

Johannes Ernst