Tips und Trick zum Saxophonspiel 2. Teil

von Thomas Voigt

erschienen in der Clarino vom

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Tips und Tricks zum Saxophonspiel

Teil 2: Tonbildung - Spieltechnik - Übemethodik


Intonation
Zur Intonation muß man vorab sagen, daß kein Instrument hundertprozentig stimmt. Selbst bei den gängigenr hochwertigen Markeninstrumenten muß ein klein wenig mit dem Ansatz korrigiert werden. Um das zu erleichtern, hilft es enorm, wenn man sich den Ton, den man spielen will, vorher vorstellt. Um ein Gespür für die Intervalle zu bekommen, mit denen man am besten Intonationsübungen machen kann, sollte man zum Beispiel mit einem gut gestimmten Klavier das Gehör schulen, damit es einem beim Saxophonspiel nicht im Stich läßt. Zum Einstieg in die Intervallübungen sind Durdreiklänge und Oktavübungen empfehlenswert.

Tonbildungsübungen
1. Um die Tonqualität zu verbessern, empfehle ich zur regelmäßigen Übung das Halten eines gleichmäßigen Tones in einer Dynamikstufe.
2. Den Ton möglichst laut beginnen, ein Decrescendo dis zur leisesten Möglichkeit und ein Crescendo zurück zur Ausgangsdynamik. Decrescendo und Crescendo sollten gleich lang sein, um die eigenen Luftreserven einschätzen zu lernen.
3. Wie Nr.2, nur ergänzt um einen leichten Anstoß an der leisesten Stelle.
4. Wie Nr3., nur mit einem anschließenden Decrescendo bis zum Verklingen desTones. Hier sollten alle Wege gleich lang sein.
5. Mit einem leisen Ton beginnen, crescendieren und mit einem Decrescendo den Ton wieder verklingen lassen. Alle Wege sollten immer gleich lang und in sich gleichmäßig sein.

Vibrato
Es gibt zwei verschiedene Arten, ein Vibrato zu erzeugen. Die einfachere und besser zu kontrollierende Methode ist des Vibrato durch eine sanfte und vorsichtige Bewegung des Unterkiefers nach unten und oben. Bewegt man den Unterkiefer nach unten, wird der Ton tiefer, bewegt man ihn wieder nach oben, wird der Ton höher. Den Unterschied zwischen hohem und tiefem Ton nennt man Amplitude, den Abstand zwischen zwei gleichen Tonhöhen Periode. Beim Vibrato sollte darauf geachtet werden, daß die Amplitude nicht zu groß wird, damit die Intonation nicht unter dem Vibrato leidet. Im Laufe des Übens sollte man versuchen, die Periode gleichmäßig zu steigern.
Vibratoübungen können sehr gut mit Hilfe eines Metronoms ausgeführt werden. Stellt man das Metronom auf 76, dann fällt es eigentlich auch einem Anfänger leicht, vier Schwingungen pro Schlag zu spielen.Nach einiger Zeit kann man die Zahl der Metronomschläge erhöhen.
Eine andere Art des Vibratospiels ist mit Hilfe des Zwerchfells möglich. Dieses Vibrato klingt weicher, da die Intonation gleichbleibt und die Amplitude durch unterschiedliche Luftmengen erzeugt wird.

Probleme bei Akzenten
Ich erlebe es in der Praxis und in Workshops häufig, daß bei unterschiedlichen Artikulationen, besonders bei verschiedenen Akzenten, nicht nur der Akzent gespielt wird. Es tritt auch der unangenehme Nebeneffekteiner veränderten Tonhöhe auf. Vielen Spielern ist das nicht bewußt. Biem üben von Akzenten verändert sich manchmanl der LIppendruck,was für die Veränderung der Intonation sorgt. Darauf kann man beim Üben selbst achten.

Growl-Technik
Um einen Ton aggressiv und rauh klingen zu lassen, wird bei vielen Rock- und Jazzsaxophonisten gerne die Growl-Technik angewandt.Dabei sollte zu dem gespielten Ton irgendein zweiter Ton gesungen bzw. gebrummt werden. Bei gespielten höhen Tönen empfiehl es sich, einen tiefen Ton zu singen und umgekehrt.

Subtone
Beim Subtone soll nur mit soviel Lippendruck gespielt werden, daß gerade noch ein Ton erzeugt werden kann. Luftgeräusche und andere per Mundstück zu erzeugende Nebengeräusche sind erwünscht. Wie bei der Growl-Technikist hier nicht der „schöne „ Ton das Ziel. In Rock-, Pop- und Jazzballadenwird diese Technik benutzt, um eine „coole“ Atmosphäre zu scheffen.

Slap-Effekt
Beim Slap-Effekt wird die Zunge unter das Blatt gelegt und wie beim schnalzen losgelassen. Das Blatt wird so ruckartig in Schwingung gesetzt, daß ein knallender kurzer Ton zu hören ist.

False Fingerings
Bei der False-Fingerings-Technik wird die Intonation richtiger Töne bewußt verschlechtert, um beim Wechselspiel ein „Flimmern“ zu erreichen. Bei hohen Tönen schließt man dabei einige deutlich tiefer liegende Klappen, und bei tiefen Tönen versucht man, diese unsauber zu überblasen. Dabei kann man die Oktavklappe oder auch andere höher liegende Klappen benutzen. In der Regel benötigt man für jeden Ton eine andere False-Fingeringe-Kombination. Im Notenbild wird diese Technik in der Regel durch ein „+“ angezeigt.

Lachendes Saxophon
Dieser Effekt wurde besonders in den zwanziger Jahren verwendet. Er wird erreicht, wenn man den Ton, auf dem man den Effekt ansetzen möchte , mit der Mundstellung „ija - ija - ija“ Atmosphäre zu schaffen.

Fageoletts
Neben dem normalen Tonumfang gibt es für alle Saxophone die Möglichkeit, noch darüber hinausgehende Töne zu spielen. Dafür benötigt man bei jedem Saxophon unterschiedliche Griffe. Man kann aber nicht mit jeder Saxophon-Blatt/Mundstück-Kombination Flageoletts spielen. Ich empfehle die sogenannten „High Notes“ nur fortgeschrittenen Spielern unter der Anleitung eines Profi-Saxophonisten.

Glissando
Beim Glissando wird in der Regel über die chromatische Tonlieter von einem notierten Ton aus noch eine Tonfolge gespielt, bei der die Luft allerdigs nicht mehr bewußt ausgeatmet, sondern nur noch - wie nebenbei - ausgehaucht wird. Ist ein Glissando von oben nach unten notiert, endet es irgendwann unhörbar im Nichts. Bei einem Glissando von unten nach oben wird über die chromatische Tonleiter und die beschriebene Spielweise der notierte Ton angespielt. Wichtig ist daß alle Glissandotöne nur „markiert“ werden. Der Effekt ist wichtiger als die einzelnen Töne. Bei einem Glissando von einem notierten Ton zu einem anderen ist die chromatiche Tonleiter nur die Brücke dazu.

Bending
Beim Bending wird der Effekt einer einzelnen Vibratoperiode benutzt. Der Ton wird zuerst richtig angeblasen, dann läßt man den Druck des Unterkiefers sinken, damit der Ton tiefer wird, und stellt den ursprünglichen druck wieder her, um wieder die optimale Tonhöhe zu erreichen. Soll man beim Bending nur den Ton von unten hochspielen, beginnt man den notierten Ton von vornherein mit gelockertem Unterkieferund drückt den Ton in die gewünschte Tonhöhe.

Die Doppelzunge
Ab einem bestimmten Tempo ist kaum noch ein normaler Anstoß möglich. Um technisch schnelle Passagen trotzdem anstoßen zu können, bedient man sich der Doppelzunge, später auch der Tripelzunge. Wo bei einem normalen Anstoß die Zungenbewegung ähnlich wie bei „ta ta ta ta ta“ funktioniert, benutzt man bei der Doppelzunge die Vorwärts- und Rückwärtsbewegung der Zunge. Also wird daraus ein „ta ka ta ka ta ka“. Um die Doppelzunge zu üben, sollte man zunächst nur mit „ka ka ka ka ka“ beginnen.

Die Tripelzunge
Wie bei der Doppelzunge wird auch hier die Vorwärts- un Rückwärtsbewegung der Zunge ausgenutzt. Die in der Regel bei Triolenpassagen eingesetztetripelzunge funktioniert wie die Doppelzunge, nur mit anderer Aufteilung: „ta ka ta - ta ka ta - ta ka ta“.

Permanentatmung
Mit der Permanentatmung hat man ein System entwickelt, unbegrenztlange ein Ton spielen zu können, ohne diesen zu unterbrechen. Wenn man merkt, daß die Luftmenge nachläßt, schiebt man die verblibene Luft in den Mund, atmet parallel durch die Nase ins Zwerchfellund hat wieder eine neue Luftreserve. Die Konsequenz ist allerdigs, daß die Luft aufgrund dse Druckes durch die Wangen ungleichmäßig ins Instrument geschoben wird und der hörbare Ton demnach auch immer ungleichmäßig ist.

Häufige Fehler
Durch nach hinten gezogene Mundwinkel kommt es zu einem geschwächten Ton. Sind die Mundwinkel nach unten gezogen, wird der Ton ungleichmäßig und schwach. Bei einem zittrigen Ton ist der Luftsrom ungleichmäßig. Explodiert der Ton beim Anstoß, ist dieser zu hart. Ist der Ton zu schrill, dann ist das Mundstück zu weit im Mund. Kommt der Ton nicht, dann kann das Blatt nicht schwingen und das Mundstück ist nicht weit genug im Mund. Bei einem quietschenden Ton steht das Mundstück im Mund zu steil nach unten. Ist der Ton zu dumpf, Steht das Mundstück zu steil nach oben. Hört man Luft am Mundstück vorbeizischen, schließen die Lippen nicht korrekt. Ist die Unterlippe nicht genügend über die Zähne eingewölbt, verliert man die Kontrolle über den Ton.
Wenn ein Mundstück für den Kork zu groß ist, schieben viele Musiker das Mundstück bis zum Ende drauf. In solchen Fällen wirkt ein Streifen Papier zwischen Mundstück und Kork wahre Wunder.
Beim Stimmen fällt mir leider immer auf, daß einige Musiker nicht wissen, wann das Instrument höher oder tiefer wird. Klingt das Insrument zu hoch, muß das Mundstück etwas vom Korken heruntergezogen werden und umgekehrt.
Ein Hinweis zur Haltung des linken Daumens: Um ein „Springen“ zu vermeiden, empfehle ich eine Stellung, in der das Instrument nicht mit der Daumanspitze gehalten wird. Viel eher sollte die Kraft auf dem ersten Gelenk des Daumens sitzen. So braucht man bei der Benutzung der Oktavklappe den Daumen nur zu kippen.
Bei allen B-Tonarten empfehle ich,den linken Zeigefinger von Anfang an gemeinsam auf die h-Klappe und die kleine darunterliegende B-Klappe zu legen. Damit sind alle anderen B-Griffe trotzdem möglich.
Spielt man die Tonkombination gis1 - cis1 (oder h oder b), so ist bei vielen Modellen ein umgreifen nicht nötig, da die gis -Klappe automatisch mitgedrückt wird.
Wie auch bei anderen Instrumenten sollte man vermeiden, Noten und andere Dinge in den Saxophonkoffer auf das Instrument zu legen, da so die Mechanik beschädigt werden kann.

Darauf ist zu achten
Beim Zusammenbau und Auseinandernehmen desSaxophons besteht die Gefahr des Verbiegens der Oktavklappe. Schließt diese nicht sauber, kommt es brim Spiel zu massiven Beeinträchtigungen. Bei der Außenrinigung des Instruments mit einem Tuch (empfehlenswert: Silberputztuch) kann man an den empfindlichen Fädern hängenbleiben und diese abbrechen.
Nach längeren Transporten sollte man überprüfen, ob sich Schrauben gelockert haben (zu diesem Zweck immer einen kleinen Schraubenzieher mit sich führen).
Folgende Dinge sollten unterlassen werden:
- Instrument dem Regen aussetzen (auch nicht Nieselregen)
- Instrument vor die Heizung stellen (auch nicht im Koffer)
- Instrunent auf die Klappen legen.
Es empfiehlt sich, das Instrument einmal im Jahr von einem Instrumentenbauer nachstellen lassen.

Wiesollte man üben?
Um die Freude am Saxophonspiel nicht zu verlieren, sollte man eine klare Unterscheidung zwischen Üben und Spielen machen. Es gibt Tage , an denen man Spielen aber nicht üben will. Dies sollte man dann auch tun. Ich empfehle, das Instrument in der Wohnung immer offen in den Ständer zu stellen, um auch zwischendurch „mal eben“ ein paar Töne spielen zu können. Das scheitert sehr oft daran, daß man zuerst das Instrument zusammenbauen muß.
kommt man dann zum Üben, sollte dies strukturiert sein. Eine gut ausgewogene kobination aus Tonbildungsübungen, Fingertechnik, Vomblattspiel-Übungen, Stilistik-Übungen und der Erarbeitung von Solo- und Orchesterliteratur ist wichtig. Ich möchte keinem Spieler anhand einer“Übeuhr“ vorschreiben, wieviel Zeit man für welche Übungen aufweden soll, denn jeder mensch hat unterschiedliche Begabungen und Schwerpunkte.Deshalb muß auch der Übeplan individuell gestaltet werden.
Wichtig ist nur: lieber häufiger (täglich) etwas spielen, als einmal pro Woche ein oder mehrere Stunden. Kein Spieler, egal ob Amateur oder Profi, kommt ohne zu üben aus. Jeder Musiker, der glaubt, mit seiner oder seinen Orchesterproben pro Woche auszukommen, ist mit Sicherheit auf dem Holzweg und bewegt sich musikalisch bestimmt zurück!

Zubehör
Es gibt unterschiedliches Zubehör für das Saxophon. Mit Durchziehwischern kann man sehr gut die Feuchtigkeit nach dem Spiel herausholen. Empfehlenswert sind zusätzliche Steckwischer, die nach dem Spiel im Instrument verbleiben, um verbliebene Feuchtigkeit aus den Tonlöchern zu holen. Bißplatten aus Gummi helfen für eine stets gleiche, nicht rutschende Mundstellung.
Mit Korkfett sollte man vorsichtig umgehen. Es ist nur eizusetzen, wenn der Kork auf dem Mundstück knarrt.
Bei Saxophongurten ist darauf zu achten, daß ein geschlossener Karabiner aus Metall (nicht gegossen!) die Schlüsselstelle zum Instrument ist. Das Saxophon wird dadurch zwar unwesentlich verkratzt, aber der Schaden ist auf jeden Fall kleiner, als wenn bei einem gerissenen Gurt das Instrument zu Boden fällt.

Nebenistrumente
Von vielenMusikern, besonders von Musiklehrern, wird das Saxophon auch heute noch als Nebeninstrument angesehen. Eigentlich ist der Schritt von der Querflöte oder der Klarinette zum Saxophon nur ein kleiner. Aber man kann durchaus mehrere Instrumente parallel spielen.
Ich möchte aber sehr davor warnen, das Saxophon „nur“ als eine art Klarinette zu sehen und zu unterrichten. Dieses Instrument hat es nicht verdient, als Nebeninstrunemt zu verkommen. Es ist ja schließlich auch ein Unterschied, ob man Klavier- oder Keybordunterricht bekommt, oder?

Thomas Voigt