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- Bernhard Habla
Das heutige Image des Saxophons
unter besonderer Berücksichtigung bildlicher Darstellungen
Das Saxophon erlebte seit seiner Erfindung vor 150 Jahren eine äußerst abwechslungsreiche Geschichte . Schon sein Erfinder Adolphe Sax gründete unter anderem sogar einen eigenen Musikverlag zur Veröffentlichung von Noten und einer Schule. Heute, da dieses Insrtument bei den Blasorchestern im großen und ganzen weltweit zur Standartbesetzung gehört, im Jazz eine wesentliche Rolle spielt und auch sonst eine vielseitige Verwendung findet, ist nichts mehr von den Schwierigkeiten, den Problemen und Vorurteilen zu merken, denen Sax bei der Verbreitung und Einführung des Instruments in die französische Militärmusik gegenüberstand.
Vielmehr ist dieses Instrument so gut etabliert, daß es sogar dort angetroffen wird, wo man zunächst nicht einmal irgendein Musikinstrument erwarten würde.
Wer kann in Otto - Der neue Film oder in der TV-Serie Freunde fürs Leben vorhersehen, daß einer der Darsteller das Saxophonspiel als Hobby hat? In diesen beiden Beispielen ist das Saxophon offensichtlich das Modeinstrument für den modernen Menschen. Zum blödeln oder auch seriös: das Saxophon unterstreicht das Auftreten des Benutzers. Die Imagebreite reicht weiterhin vom Zirkusclown über den (Tenor-) Saxophonisten bei der Fernseh-Fensterwerbung (ORF), der gleich mit dem Design des modernen Fensters auch dessen Schallschutz demonstriert (zumindest höft man bei den neuen Fenstern nur schöne Töne, was bei der erkennbaren Grifftechnik verwundert), bis zur Fatamorgana-Darstellung als Wolken-Saxophon-Rauchwolke eines Mineralölkonzerns. Das Gefühl, auf Wolken zu schweben, stellt sich im versüßtem Maß ein, wenn man Schocko-Kugeln einer an der deutschen Grenze liegenden österreuchischen Musikstadt ißt und im Hintergrund die Kleine Nachtmusik leicht verraucht-gehaucht (eben halt jazzig) auf eunem (ebenfalls Tenor-) Saxophon hört (oder Mozartophon?).
Fernsehen und Film
Aber auch im kriminellen Milieu, bein Wiener Morddezernat, in dem Kottan (alias Lukas Resetarits) für Recht und Unordnung sorgt, tritt in der legendären Kottans Kapelle zur Umrahmung der Schmusesongs in den Händen von Bibiane Zeller (alias Kottans Ehegesponst) sporadisch ein Saxophon in Erscheinung. Deren Grifftechnik am Instrument wird allerdings in keinem Unterrichtswerk gelehrt, sondern resultiert eher aus verzweifelt resignierender Ohnmacht gegenüber dem komplizierten Klappenmechanismus. Playback macht `s möglich. Frau Kottan zählt jedoch zu den häuslichsten Vertretern der Saxophonist(inn)en-Familie.
Während biher immer von Alt- und Tenorsaxophonen die Rede war, kommen Bud Spencer besondere Verdinste um die Popularisierung des Baritonsaxophons zu. In der Serie Zwei Supertypen in Miami unterhält er gelegentlich die Zuschauer mit diesem Instrument und in Vier Fäuste gegen Rio tanzt schon halb Rio nach seinen Kehlig-tiefen Klängen.
Das Saxophon ist in. Von vielen Menschen wird es als Trauminstrument schlechthin benannt, das man gerne selbst spielen können möchte lernen sollen. Jeder Saxophonist kann natürlich nur überirdische Wonnegefühle beim Spielen besrätigen, oder? Viele in unserer Gesellschaft verbinden mit diesem Instrument offensichtlich etwas in höchsten Sphären Schwebendes, können es aber nicht beschreiben oder näher definieren. Wir werden es hier, wenn es so weitergeht, auch nicht schaffen.
Image in den zwanziger und dreißiger Jahren
In den goldenen zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts hatte das Saxophon noch etwas Verruchtes und auch Illegales oder Gefährliches an sich, wie zum Beispiel im Triptychon Großstadt von Otto Dix aus dem Jahre 1928 zu erkennen ist. Der Charakter des Bildes wäre mit einem anderen Instrument nicht so aussagekräftig.
Der Klang eines Saxophons wird heute vielfach als schön beschrieben und empfunden. Eine der wortstärksten Klangbeschreibungen legte Ludwig Degele, Verfasser eines Buches über Militärmusik, dem Komponisten und Verfasser der bekannten Instrumentationslehre, Hector Berlioz, in den Mund. Degele beschreibt den Klang des Saxophons aufgrund der Kombination von Klappenmechanismus und Metallkörper als Rückkehr zur Ophikleide, und die schneidet nicht sehr schmeichelhaft ab:
Nichts Plumperes und sozusagen Ungeheuerlicheres, zu harmonischer Verschmelzung mit dem übrigen Orchester Ungeeigneteres... es ist gerade so, als wenn ein dem Stall entlaufenerStier in einem Salon seine Luftsprünge machte.
Und Dengele fährt fort:
...Wenn aber die Saxophone im Orchestersatz gar nicht zum Schweigen kommen, so daß sie jegliche andere Klangwirkung erdrücken, so ist das einfach eine Barbarei, und insofern bedeutet die Einführung dieser Instrumente für unsere Zeit einen Rückfall in einen überwundenen Zustand. Letzerer Rückfall wurde bei der deutschen Luftwaffe dann erreicht, als von Hans-Felix Husadel die Saxophone bei den Luftwaffenblasorchestern offiziell bestzt und als ideale Ergänzung der Blasorchesterbesetzung angesehen wurden. Im Gegensatz zu den Äußerungen von Degele bzw. dessen Zitate spricht Berlioz nämlich von seltenen und wertvollen (bzw, kostbaren) Eigenschaften. Degele zählte offensichtlich nicht zu den Freunden des Instruments und ihm unterlief ein Zitatfehler, der zu dieser harten Formulierung führte. Degeles Aussage ist mit seiner generellen Ablehnung des Jazz zu begründen, als dessen signifikantes Instrument das Saxophon angesehen wurde.
Sonderinstrunente
Auf einem Engpaß in Bezug auf Saxophonisten und Bedarf an Saxophonen sind die Kuriositäten Jazzophon und Normaphon zurückzuführen. In einem Prospekt der Firma Wunderlich aus Siebenbrunn im Vogtland wird das Normaphon folgendermaßen angepriesen:
Die hohen Preise der Saxophone hält manche Kapellen ab, diese Instrumente anzuschaffen. Und doch wird vom Publikum Saxophon-Musik verlangt. Die Normaphon-Instrumente bieten bei ganz niedrigen Preisen Ersatz für die Saxophone. Zudem kann jeder Trompeter, Hornist, Bassist usw. ohne Umlernen diese Instrumente blasen, sind sie doch nichts anderes als Trompeten, Althörner, Tenorhörner und Es- bzw. B-Bässe nur in anderer Form! Die neuartige Bauart verleiht den Instrumenten einen eigenartigen, dem ohr angenehmen Ton. Moderne Kapellen sollten nicht zögern, diese Instrumente anzuschaffen.
Merke: Es liegt also nur an der Form!
Nur schwer verständlich ist, daß bei der französischen comic-Serie Asterix einer der ersten namentlich bekannten professionellen Musiker, der Barde Troubadix, noch gänzlich ohne das ursprünglich aus Frankreich stammande Saxophon (oder einen entsprechenden Vorfahren) seine Kunst ausübt. Demgegenüber hat der Urgroßvater von Daniel Düsentrieb mit unbekanntem Datum in der verschlafenen Kleinstadt Monotonopolis eine Weiterentwicklung des Saxophons erfunden, das Tanzophon.
Es war ein Instrument, das die Menschen zum Tanzen brachte, eine Art Saxophon, das Musik und Ultraschallwellen von sich gab. Wer sich auch nur auf einen Kilometer diesem Apparat näherte, wurde von unheimlicher Tanzlust gepackt und begann, ganz automatisch, herumzuhopsen. Sämtliche Einwohner von Monotonopolis hüpften damals also als großes Fernsehbalett durch die Gegend... Eine Katastrophe! - Jedenfalls fanden das die Bürger von Monotonopolis. Und sie beriefen eine Versammlung ein (auf der sie wie eine Horde dressierter Cirkusaffen durcheinandersprangen) und beschlossen, daß die Familie Düsentrieb samt Urgroßvater und Tanzophon sofort die Stadt zu verlassen habe, auf das in Rathaus und Stadtpark,in den Gerichtssälen und Schulen wieder Ruhe einkehre! - Gesagt, getan! Die Düsentriebs... hüpften nach den Klängen des Tanzophons zur Stadt hinaus und landeten schließlich - total erschöpft - in Entenhausen, wo die ganze Familie bekanntlich heute noch lebt und Urenkel Daniel Düsentrieb weiter erfindet.
Zurück aus dem Römischen Reich und aus Entenhausen begegnet man in der Gegenwart häufig Werbefachleuten, die sich relativ häufig der Musikinstrumente als Accessoires zum Anpreisen ihre Produkte bedienen. Und das Saxophon hat dabei vielfältige Engagements.
Außermusikalisches Umfeld
Auf die Frage, warum so viele Dinge in Gesellschaft eines Saxophons angepriesen werden, müßte später eingegangen werden. In der folgenden Abbildung ist das Saxophon lediglich Accessoire zu Produkten, die nichts mit dem Instrument oder mit Musik überhaupt zu tun haben. Produkte also, die in irgendeiner Weise vom Image des Instruments Gebrauch machen.
Bevor es richtig losgeht, zunächst ein kühles Bier. Starke Typen trinken leichtes Pils. Dunkler anzug ohne Krawatte mit Trenchcoat: Dieser coole Typ muß ja (Tenor-)Saxophon spielen; er hat so eine frappante Ähnlichkeit mit den meisten Kollegen.
Was den Gesundheitsministern ein Dorn im Auge ist, ist für Raucher Offen für Schall und Rauch. Die Typen-Vielfalt der Saxophonisten, die für Rauchwaren werben, ist größer, als allgemein angenommen wird. Der Altsaxophonist mit weißem Hemd und Weste macht von einer Zigarettenhalterung Gebrauch , die zur Erfindung der Marschgabel führte.
Fast alle Musikinstrumente, vom Klavier über Trompete zur Gitarre, wurden von einer österreichischen Tabakfirma in Werbekampagnen eingesetzt. Da ist es nur naheliegend, daß auch Saxophone berücksichtigt wurden.
Solidere Dinge bietet eine Bank an, und zwar ihren Club. Da, wo die Action ist. Diese Action kann natürlich nur durch das Saxophon dargestellt werden.
Zu zweit macht das Spielen sicher viel mehr Spaß, zumindest für die Ausführenden. Auf dem Foto hört man zum Glück nichts. Die Frage, ob jetzt das Musizieren oder der Kontostand die Freude hervorruft, oder ob beide gar aus dem letzten Loch pfeifen, bleibt im Raum stehen.
Ein Pärchen auf iener Abbildung kann dann die gemeinsamen Saxophonstunden in der Küche vor dem Herd fortsetzen. Hier ist eine persönliche Erfahrung des Autors einzubringen: Auch wenn man beim kochen Saxophon spielt, brennt das Essen ohne Umrühren nach einer gewissen Zeit trotzdem fürchterlich an.
Deshalb wird für übende und gleichzeitig kochende Saxophonist(inn)en unbedingt ein Gerät mit Easy Clean empfohlen, um wenigstens die Dauer deranschließenden Küchenreinigung in einem erträglichen Maß zu halten.
Während die einen im Club sind und das Konto stimmt, hat folgender Schnurrbartträger wahrscheinlich finanzielle Probleme, da er schon siebenmal an das Verkaufen eines Saxophones bei einem Flohmarkt dachte. (Er ist aber ein guter Mensch und hat es nicht getan.)
Eine andere Abbildung gehört zur Gruppe der Ratebilder: Um welches Produkt geht es? Zunächst wird an flotte Partykleidung gedacht, wobei Partys mit auf dem Tisch tanzender Saxophonistin schon zu heißeren Kategorien gehören. Es könnte auch ganz einfach eine Anzeige für ein neues Saxophonmodell sein, wobei die Herstellerfirma aber sicher darauf achten würde, daß das Mundstück richtig aufgesetzt wird. Nun verbleiben noch Tische und Stühle sowie die Kronleuchter oder eventuell der Spiegel im Hintergrund. Es ist aber ganz anders: es geht um die Schuhe! Richtige Schuhe bgaucht man auch im Urlaub, je nach Region. Um in der gewohnten Umgebung des Saxophons zu bleibe, bietet sich eine Schiffreise an, oder eine Tour in die USA, wobei dann der Mann mit dem Hut mitkommt. Allerdings ist es schon so, daß nicht jeder Amerikaner Saxophon spielt, wie man auf den ersten Blick vermuten würde.
Nach dem Urlaub freut man sich wieder auf zu Hause und holt das Saxophon aus der Wohnzimmerecke neben der neuen Schrankwand.
Das heutige Image des Saxophons ist äußerst breit und reicht von Individualität und Starken Typen über Jugendlichkeit, Lebensfreude, Spaß und Erotik bis zur Klassik mit K und Classic mit C. Draufgänger-Typen werden mit dem Saxophonebenso in Verbindung gebracht wie guter Geschmakoder der richtige Ton.
Bleibt nur die Frage offen, zu welcher der genannten Image-Gruppen US-Präsident Bill Clinton gehört, der gelegentlich, und offensichtlich mit Erfolg, im Wahlkampf seine Virtuosität zeigte, sich aber jetzt nur noch privat musikalisch betätigt. Es ist jedoch nicht geklärt, auf welchem Exemplar er spielt, da er zahlreiche Instrumente für Versteigerungen oder für Museen zur Verfügung stellte. So besitzt das Shrine to Music Museum in vermilionein von der L.A. Sax Company speziell für Clinton gebautes No.1 Presidental model saxophone, das dem Präsidenten als Geschänk überreicht wurde, und das Clinton dem Museum übergab. Dieses Instrument befindet scih nun dort in der Gesellschaft von 200 Saxophonen sowie der 61 Saxophone umfassenden John-Power-Collection und der Cecil-Leeson-Collection mit 39 Exemplaren.
Aber auch die Markenneukirchener Instrumentenbauer ließen sich nicht lumpen und präsentierten Clinton ein neues Instrument, da er das alte für eine Wohltätigkeitsversteigerung zur Verfügung gestellt hat. Wahrscheinlich wollte Clinton nicht mehr üben, jetzt muß er wieder.
Bernhard Habla
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