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- Adolphe Sax als Verleger
Der folgende Beitrag befaßt sich mit einer weitgehend unbekannten Seite im Schatten von Adolphe Sax. Dem Thema angemessen erschien der Text erstmals in einer Verlegerzeitschrift, und zwar im blaasblad, dem Mitteilungsorgan des Molenaar-Verlag. Der nachdruck der Übersetzung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Im Februar 1994 jährte sich der Todestag von Antoine-Josephe (Adolphe) Sax zum hundertsten Mal. Der belgische Erfinder, 1824 in Dinant geboren, verursachte eine wahre Revolution in der Musikwelt, vor allem im Bereich der Blasinstrumente. Aber neben den Saxophonen und Saxhörnernerfand er auch medizinische Geräte, organisierte Konzerte, reformierte die französische Militärmusik, dirigierte das Fanfarenorchester der Pariser Oper und... war auch als Verleger aktiv.
Im Jahre 1858 erschien erstmals Musik, die von Sax herausgegeben wurde. Anders als seine Instrumentenfabrik hatte Sax seinen Verlag in Haus Nummer 50 der Pariser Rue Saint-Georges untergebracht. Er war aus einer gewissen Notwendigkeit heraus Musikverleger geworden. Sollten seine Instrumente (vor allem die Saxophonfamilie) Verbreitung finden, dann war es nötig, daß entsprechende Musik komponiert und natürlich auch verlegt werden würde. Da Sax selbst die größte Werbung für seine Instrumente betrieb, war es nur folgerichtig, daß er sich auch um das Verlegen geeigneter Musik kümmerte. Gleichwohl ging es Sax wirtschaftlich nicht immer gut. Es gab Zeiten, wo sich bei ihm die rechtlichen, finanzielle und persönlichen Probleme häuften. Am 14. Mai 1877 mußte er Konkurs anmelden und der Verlag wurde am 4. März 1878 öffentlich versteigert. Der Drucker Kugelmann kaufte das Inventar (2375 Druckplatten, auf dennen 189 Musikstücke waren) zum Preis von 5000 Francs. Die am ende des Textes genannten Kompositionen stammen alle aus dieser erwähnten Konkursmasse. (Der Verlagskatalog des Jahres 1869 umfaßte weitere Werke, doch diese wurden später nie wieder verlegt oder nachgedruckt.)
Zurück zu den Aktivitäten von Sax als Verleger. Er hatte trotz allem eine menge treuer Freunde, darunter sehr berühmte Komponisten wie Hector Berlioz, Giacomo Meyerbeer und Ambroise Thomas. Auch die zweite Garde der Komponisten war Sax wohlgesonnen und schrieb Musik speziell für die Sax-Instrumente, die dann natürlich auch von Sax verlegt wurde. Zu ihnen gehören der Kornettvirtuose Arban, der Klarinettenvirtuose Klose, Sax` Landsleute Mayeur und Singelee und sein guter Freund, der Komponist und Flötenpädagoge Jules Demersseman. Die genannten Personen solen nun etwas näher vorgestellt werden.
Jean-Babtiste Arban (1825 bis 1889)
Bei der Nennung dieses Namens fangen Blechbläser meistens zu strahlen an: seine Kornettschule ist auch heute noch eine Art Bibel für Trompeter und Kornettisten. Arban wurde am 25. Februar 1825 in Lyon geboren und studierte Cornopeon (Vorläufer des Kornetts). Er entwickelte eine außerordentlich virtuose Technik und wurde 1857 zum Professor für Kornett am Pariser Konservatorium ernannt. Er schrieb verschiedene Etüden, Kompositionen und Texte zum Trompetenunterricht, die zusammengefaßt wurden zu seiner weltberühmten Methode Arban, die erstmals 1864 in Paris erschien. Sein bekanntestes Stück ist zweifellos der Karneval von Venedig. Neben seinen Trompetenkompositionen schrieb er auch Musik für Saxophon und Saxhorn-Instrumente.
Jules Demersseman (1833 bis1866)
Dieser belgische Flötenvirtuose wurde am 9. Januar 1833 in Hondschoote geboren. Schon 1845 errang er einen ersten Preis in der Flötenklasse des Pariser Konservatoriums. Für seinen Freund Adolphe Sax schrieb er zahlrieche Werke, die speziell auf dessen neue Instrumente zugeschnitten waren. Neben Saxophonstücken (zumeist mit Klavierbegleitung) entstanden zahlreiche Kompositionen für Sax-Instrumente, die heute nicht mehr gebaut werden (zum Teil mit sechs Ventilen und unabhängigem Rohrverlauf). Demersseman stard am 1. Dezember 1866 in Paris.
Hyacinthe Klose (1808 bis 1880)
Klose nimmt unter Klarinetten die gleiche Position ein, wie sie Arban bei den Blechbläsern innehat. Er wurde am 11. Oktober 1808 auf der griechischen Insel Korfu geboren. Zunächst wurde er einige Jahre Militärkapellmeister, aber er trat jedoch schon damals häufig als Solist auf. Berlioz war über die außergewöhnliche Virtuosität dieses Künstlers voll des Lobes. Bei allen großen Pariser Orchestern trat er als Solist auf und leistete 1839 bis 1868 die Klarinettenklasse am Pariser Konservatorium, wo er zahlreiche später berühmte Schüler ausbildete. Darüber hinaus komponierte er sämtliche Wettbewerbs- und Prüfungsstücke für die Klarinettenklasse.
Er starb am 29. August 1880 in Paris. Neben seinen zahlreichen Klarinettenkompositionen und einem Lehrwerk für sein Instrument schrieb er 8 Duos Concertants opus 8 für Altsaxophon und Klavier, die erAdolphe Sax widmete.
Louis Mayeur (1837 bis 1894)
Mayuer wurde am 25. März 1837 in Menen (Westflandern) geboren. In der Klasse von Klose gewann er am Pariser Konservatorium 1860 einen ersten Preis. Beim gleichen Lehrer lernte er auch Saxophon. Für dieses Instrument seines Freundes Sax warb er häufig in öffentlichen Veranstaltungen. Neben zahlreichen Kompositionen für Saxophon und Blasorchester veröffentlichte er 1867 eine wichtige Saxophonschule.
Nach einigen Jahren als Musiker im Orchester der Garde Republicaine ging er ans Orchester der Pariser Oper. Er kreierte 1872 das berühmte Saxphonsolo Bizets Arlesienne-Suite. Im Alter von 57 Jahren starb er am 16. September 1894.
Jean-Babtiste Singelee (1812 bis 1875)
Er wurde am 25. September 1812 in Brüssel geboren. zunächst war er einige Jahre als Geiger in Paris tätig, kehrte aber bald in seine Heimatstadt zurück, wo er von 1839 bis 1855 Solist im Orchester der Koninklijke Muntschouwburg war. Weitere Stationen seiner miusikalischen Laufbahn waren Marseille, Gent und wieder Paris. Dort freundete er sich mit Sax an, für den er mehrere Stücke komponierte: drei Saxophonquartette (sein Premier Quatuor gilt als das erste Saxophonquartett überhaupt) und 19 Kompositionen für Saxophon und Klavier.
Nach seiner Rückkehr nach Belgien war Singelee von 1869 bis 1872 Dirigent an der Muntschouwburg. Er starb am 29. September 1875 in Ootende.
Anmerkungen zur Werkübersicht
Sax gab als Verleger zahlreiche Variationen und Fantasien für Saxophon mit Klavierbegleitung sowie Stücke für verschieden große Saxophonensembles (zwei bis acht Instrumente) heraus. Musik für die Instrumente der Saxhorn-Familie findet sich seltsamerweise kaum in der oben erwähnten Liste.
In der Sparte für Harmonie- oder Fanfarenorchester erschienen natürlich vorwiegend Kompositionen, in deren Orchestration die Sax-Instrumente eine wichtige Rolle spielen. Es handelt sich dabei natürlich ausschlißlich um historisches Material, das heute zumeist in der Pariser Bibliotheque Nationale oder in den Notenarchiven einiger Militärkapellen zu finden ist. Die Liste umfaßt sowohl Orginalkompositionen als auch Transkriptionen.
Unter den Kompositionen finden sich Namen wie Jean-Paulus oder Adolphe Sellenick. Dies waren die beiden ersten Dirigenten der Pariser Garde Republicaine. Jean Mohr und Jules Cressonois waren Dirigenten der Garde Imperiale Napoleons III. und Leon Magnier war Kapellmeister beim Musikkorps des 1. Französischen Grenadierregiments.
Kompositionen, die von Adolphe Sax verlegt wurden
Musik für Saxophon/e
Jean Babtiste Arban (1825 bis 1889)
Caprice (et Variations) für Altsaxophon
Leon Chic (1819 bis 1916)
Solo-Tyrolienne für Altsaxophon
Jules Cressonois (1823 bis 1883)
Les Pifferari für 4 Saxophone
Le Tambourin für 4 Saxophone
Romance de Proserpine für 3 Saxophone
Jules Demersseman (1833 bis 1866)
Premier Solo für Baritonsaxophon
12 Etüden für Saxophon
Premier Solo pour saxophone alto
Solo pour saxophone tenor
Emile Jonas (1827 bis 1905)
Priere (Saxophonquartett oder -sextett)
Hyacinthe Klose (1808 bis 1880)
Solo de Saxophone
Leon Kreutzer (1817 bis 1868)
Quatuor
Armand Limnander (1814 bis 1894)
Quintette
Louis Mayeur (1837 bis 1894)
Grande Fantaisie brillante (Altsaxophon)
Cavatine aus Lucia di Lammeroor (Altsaxophon)
Adolphe Sellenick (1826 bis 1893)
Andante religioso für 4 Saxophone
Jean-Babtiste Singelee (1812 bis 1875)
Fantaisie pour Saxophone op.50
Fantaisie pastorale op.56 für Saxophon in B
Concerto op.57 für Saxophon in B und Klavier
Souvenir de Savoie op.75; Fantasie für Saxophon in B
Cocertino pour saxophone op.78 (Saxophon in Es)
Quatuor op.79
Caprice op.86 (Altsaxophon)
Fantaisie pour saxophone op.89
Mehrere Soli für verschiedene Saxophone, op.77, 91, 92, 93, 99,100
Duo pour 2 saxophone (Sopran- und Altsaxophon9
Premier Quatuor pour saxophone
Musik für Saxhorn
Jean-Babtiste Arban (1825 bis 1889)
Caprice et Variations für Kornett und Klavier
Carnaval de Venise - Fantaisie et Variations für Kornett und Klavier
Solo für Kornett und Klavier
Deuxieme Fantaisie für Kornett und Klavier
Petite Methode de Cornet
Jules Demersseman
Fanaisie dramatique für Baß-Saxhorn in C oder B
Musik für Blechblasinstrumente mit sechs Ventilen
Adolphoe Sax verlegte auch einige Kompositionen für Blechblasinstrumente mit sechs Ventilen und unabhängigem Rohrverlauf.
Jules Demersseman
Desir (nach Beethoven) für sechsventilige Posaune
Fantaisie sur Don Juan für sechsventilige Posaune
Cavatine pour nouveau frombone
Musik für Blasorchester (Harmonie und Fanfare)
Jean-Babtiste Arban
Puebla (Marsch)
Jules Demersseman
Le Carnaval de Venise
Chasse dans le bois (Walzer)
Le Vainqueur (Pas redouble)
Francois Dunckler jr. (1816 bis 1878)
Lalla Rouck
Petit prodiges
Emile Jonas
Le Diamant (Galopp)
En avant(Pas redouble)
Marche Nuptiale (nach Mendelssohn)
La Victoire (Marsch)
Leon Magnier
L`Espagne
Faustina (Marsch)
Jeune Soldat (Marsch)
Souvenir de Constantinople
Jean Mohr
Faust (Walzer nach Gounod)
Jean Paulus (1816 bis 1898)
Elias (nach Mendelssohn)
Fracis Pieters
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