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Collection Johannes Ernst
Steffen Schleiermacher (*1960)
Heracleum
für Saxophonquartett – S, A, T, B
Partitur + Stimmen
NM 2701
ISMN M-2032-5971-8
DM 24,00
Eur 12,27

"In der Komposition arbeite ich mit ganz einfachen musikalischen Grundgesten, meist sind es Gegensatzpaare: hoch - tief, schnell - langsam, aktiv - passiv, gleichmäßig - ungleichmäßig. Im Grunde genommen gibt es nur zwei Elemente: lange liegende Einzeltöne, die sich zu Akkorden zusammenfügen, und eine schnelle, gleichmäßige Bewegung, die die vier Spieler meist simultan ausführen. Ich habe den vorhandenen Tonumfang in drei Räume geteilt: hoch - mittel - tief. In diese sind die Klangflächen eingefügt. Dabei habe ich differenziert in Gleichmäßigkeit, dynamische Veränderungen innerhalb der liegenden Flächen (ein Instrument tritt etwas hervor, andere etwas zurück usw.) sowie Komplikationen an den Klangrändern (Einsatz mit einem Akzent, Beendigung mit einem Akzent o. Ä.). Auch gibt es innerhalb der Klangflächen unterschiedliche Verhältnisse zwischen Klingendem und Pausen. Das andere Element gleicht einem perpetuum mobile. Es erscheint zwischen den Teilen der Klangflächen. Auch hier habe ich mit einfachsten Mitteln differenziert: einstimmig, zweistimmig, dreistimmig und vierstimmig, laut - leise, gleichmäßig - akzentuiert. Es gibt im ganzen Stück nur eine Stelle, die nicht in diese Konstruktion der beiden Grundgesten passt: Plötzlich spielen alle laut, im Unisono, im erkennbaren Rhythmus und mit Mikrointervallen. Quasi ein Einbruch der restlichen musikalischen Welt in das hermetische Geschehen des sonstigen Stückes. Dieser hat aber keine Wirkung. Die Idee zu dieser Konstruktion stammt aus einer Collage, die ich zufällig in der Zeit des Nachdenkens über das Stück geschenkt erhielt und die auf grafischem Gebiet mit entsprechenden, einfachen Grundmitteln arbeitet. Von dieser Grafik ist auch der Titel übernommen: "Heracleum” (was nichts anderes bedeutet als "Bärenklau” - es ist ein Pflanzenname). Das Stück habe ich 1992 auf Anregung des Rascher-Quartetts komponiert.”

Steffen Schleiermacher


Steffen Schleiermacher, geb. 1960 in Halle, seit 1966 Klavierunterricht, von 1980 bis 1985 Studium an der Musikhochschule "Felix Mendelsohn-Bartholdy” in Leipzig in den Fächern Klavier (Gerhard Erber), Komposition (Siegfried Thiele, Friedrich Schenker) und Dirigieren (Günter Blumhagen). 1986/87 Meisterschüler an der Akademie der Künste Berlin bei Friedrich Goldmann (Komposition). Seit 1988 freischaffend in Leipzig tätig. 1989/90 Zusatzstudium an der Musikhochschule Köln bei Aloys Kontarsky (Klavier), 1989 Gründung des Ensembles Avantgarde. Seither Konzert- und Vortragsreisen durch viele Länder Europas, Amerikas und des Fernen Ostens, dazu zahlreiche CD-Aufnahmen.

1985 Preis beim Gaudeamus-Wettbewerb, 1986 Kranicher Musikpreis, 1988 Preis des Rundfunks der DDR für "Konzert für Viola und Kammerensemble”. 1989/90 Stipendium des Deutschen Musikrates, 1991 Preis der Christian und Stefan Kaske Stiftung München, 1992 Schneider-Schott-Preis der Stadt Mainz (mit dem Ensemble Avantgarde), 1992/93/94 und 97 Kompositionsstipendium der Stiftung Kulturfonds. 1992 Stipendium für die Deutsche Akademie Villa Massimo, Rom; 1997 Stipendium der Japan Foundation für einen mehrmonatigen Studienaufenthalt in Japan. 1999 Stipendium für einen halbjährigen Aufenthalt in der Cité des Arts, Paris.
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